Eine neue Kamera musste her. Musste sie eigentlich nicht, denn die alten tun’s alle immer noch hervorragend, und vor allem, weil sich die neue von der alten gar nicht so stark unterscheidet. Aber es bedeutet auch: Ich brauchte nur den Kamerabody zu erwerben, und Objektive, Blitzgeräte und sogar Akkus kann ich weiterverwenden. Dementsprechend war der junge Verkäufer im Fotofachgeschäft etwas enttäuscht, dass er mir gar kein weiteres Zubehör (nicht einmal eine SD-Karte) andrehen konnte.
Das mit den Akkus halte ich für einen sehr feinen Zug von Panasonic. Es sollten sehr viel mehr unterschiedliche Kameras mit den gleichen Akku-Typen arbeiten können. Aber dafür lag der neuen Kamera kein separates Ladegerät mehr bei, sondern die Akkus sollen über den Body und ein USB-Netzteil aufgeladen werden, was ich für einen schlechten Trend halte, und so schätze ich mich glücklich, zumindest das Akkuladegerät aus dem Lieferumfang der alten Kamera noch weiterverwenden zu können.

Die neue Kamera und die alte
Kurzum: Eine Panasonic Lumix GX80 ist es geworden. Mit ihrem Vor-Vorgänger GX7 habe ich bereits viele schöne Bilder geschossen. Weil ich zum Fotografieren gerne auch mal in dunkle Jazz-Keller gehe und dort zur eher schummrigen Bühnenbeleuchtung mit dem verfügbaren bisschen Licht auszukommen versuche, halte ich neben hohen ISO-Werten einen Bildstabilisator für nicht unwichtig, und seitdem ich im Zuge der GX80-Produktvorstellung davon las, dass der Stabi im Body meiner heißgeliebten GX7 eigentlich dem Stand der Technik sehr hinterherhinkt, habe ich mich immer gefragt, wie viel ein besserer Stabi bringen könnte, um die technischen Grenzen solcher Low-Light-Situationen weiter auszuloten, und ich muss zugeben das ich mit dem Status Quo nicht mehr recht zufrieden war. Reine Kopf-Sache natürlich.
So sind die beiden „großen“ GX80-Features, von denen in den Ankündigungen zu lesen war: Der verbesserte Bildstabilisator mit mehr Stabilisierungs-Achsen, mit DualIS und auch mit Funktion im Video-Modus. Außerdem die 4K-Fähigkeiten vor allem in Sachen Video. Ob ich mir allerdings die 4K-Fotofunktionen genauer zu Gemüte führen werde, bin ich mir noch unsicher. Ich bin halt Fan von RAWs, und das, was bei „4K-Fotos“ herauskommt, sind offenbar immer JPEGs. Wenn ich aber irgendwann mal wieder an größere Video-Projekte kommen sollte, dann würde Filmen in 4K immerhin erlauben, deutliche Crops vorzunehmen und dabei als Output immer noch FullHD-Auflösung oder besser zu erhalten.
Eine erste Überraschung gab es beim DualIS: Das Objektiv muss diesen Modus auch unterstützen, ansonsten schaltet die Kamera bei einem stabilisierten Objektiv nie den Gehäusestabi hinzu. Als ich mir aufgrund meines nerdigen Update-Fimmels die Lumix-Firmwareupdate-Seite angeschaut habe, da gab es dort ziemlich viele Firmware-Updates nicht nur für Kameras, sondern auch für Objektive. Und in den Release Notes ist dort tatsächlich das eine oder andere Mal zu lesen, dass die Objektiv-Firmware um die Fähigkeit für DualIS erweitert wurde. Das traf zu fürs 14-42mm Kit-Objektiv und für die 2.8er-Objektive 12-35 und 35-100. Leider jedoch nicht für manch‘ anderes Objektiv in meinem Panasonic-Fuhrpark. Ziemlich krass, was heutzutage alles eine Firmware hat. Für Fans der analogen totalen manuellen Kontrolle ein Alptraum. Für mich als Digital-Fan finde ich es hingegen schon ziemlich cool, dass meine alten Geräte neue Fähigkeiten bekommen, ohne Alles neu kaufen zu müssen.
Einen Abend eines Stadtfestivals mit Musikbühne später trage ich auf SD-Karte meine ersten GX80-Fotos nach Hause, und ich hatte zuerst noch Sorge, ob mein Lightroom überhaupt schon aktuell genug ist, um die RAW-Files dieser Kamera verarbeiten zu können. Aber es kam sogar noch besser.
Beim ersten Mal habe ich es nicht einmal gemerkt. Beim zweiten Mal kam es mir nur komisch vor, irgendetwas ist anders als sonst. Erst beim dritten Mal wurde mir klar: Wenn ich in Lightroom die Crop-Funktion benutze, kann ich bei den GX80-RAWs von der gesamten Sensorfläche aus croppen. Doch was bedeutet das?
Die Panasonic Lumix-Kameras folgen dem Micro FourThirds-Standard und haben deshalb eine Sensorfläche im Seitenverhältnis 4:3 – im Falle der GX7 und GX80 von 16 Megapixeln. Ich mag aber das Seitenverhältnis 3:2 viel lieber und habe dieses in der Kamera eingestellt. Dabei wird der Sensor an seiner „längeren“ Ausdehnung (im Querformat die Breite) komplett ausgenutzt, aber es wird an seiner „kürzeren“ Ausdehnung (im Querformat an der Höhe) etwas weggeschnitten – macht bei der GX7/GX80 nur noch 14 Megapixel. Wenn man damit RAW-fotografiert, speichert die GX7 auch nur 14 Megapixel ab – eben genau das 3:2-Bild.
Bei der GX80 ist das nun aber anders, und bei Olympus kennt man es offenbar schon länger: Auch wenn die Kamera auf 3:2 eingestellt ist, enthält das RAW-File immer die kompletten 16 Megapixel 4:3-Sensordaten. Der Raw-Konverter zeigt trotzdem ein 3:2-Bild an – er liest diese Information ähnlich wie bei den Weißabgleichsinformationen aus dem RAW-File aus. Erst, wenn man in Lightroom das Crop-Werkzeug auswählt, wird einem das nach rechts und links viel breitere (Hochformat) bzw. nach oben und unten viel höhere (Querformat) Bild angeboten, in dem man den Crop-Rahmen ziehen kann.
Das ist geradezu toll. Man muss erst mal „auf dem Plan haben“, dass in dem Bild noch mehr Pixel sind, als man sieht und mit denen man arbeiten könnte. Denn falls sich das Motiv vielleicht in 4:3 doch besser machen würde, könnte man die „abgeschnittenen“ Seiten wieder dransetzen anstatt noch weiter beschneiden zu müssen. Oder man bekommt einen ganz neuen Spielraum, in dem man den 3:2-Ausschnitt innerhalb des 4:3-Sensors verschieben kann. Letzteres fand ich sehr nützlich bei einigen Bildern, in denen ich versucht hatte, an einen sehr agil herumtanzenden Gitarristen stark heranzuzoomen – in einigen Fällen hatte ich in den „abgeschnittenen“ Teilen noch ein paar bildwichtige Elemente von ihm, die ich gerne verwendet und dann lieber an der anderen Seite stärker abgeschnitten habe.

GX80-Beschnitt in Lightroom
Was ich daran so schön finde: Ich habe mit der neuen Kamera ein zusätzliches nützliches neues Feature bekommen, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte.
Und warum ist mir das so wichtig? Na, weil ich schon mal damit experimentiert hatte, ehemals bei der GX7 bei eingestelltem Seitenverhältnis 4:3 zu fotografieren und mir vorzunehmen, später am Computer die Fotos auf 3:2 zurechtzuschneiden. Das hat aber nicht so gut geklappt, denn weil ich die Bilder im Sucher als 4:3 gesehen habe, habe ich sie offenbar auch so komponiert, und deshalb gab es oft gar keine „Luft“, an der ich hätte abschneiden können, um auf 3:2 zu kommen.
Jetzt bei der GX80 kann ich die Kamera auf 3:2 belassen und verliere dennoch nichts von der Sensorfläche. Hach ja, da hat sich die Gear Acquisition also mehr gelohnt, als ich es ursprünglich gedacht hatte. Wie schön.


























