Ein unverhofftes Feature

Eine neue Kamera musste her. Musste sie eigentlich nicht, denn die alten tun’s alle immer noch hervorragend, und vor allem, weil sich die neue von der alten gar nicht so stark unterscheidet. Aber es bedeutet auch: Ich brauchte nur den Kamerabody zu erwerben, und Objektive, Blitzgeräte und sogar Akkus kann ich weiterverwenden. Dementsprechend war der junge Verkäufer im Fotofachgeschäft etwas enttäuscht, dass er mir gar kein weiteres Zubehör (nicht einmal eine SD-Karte) andrehen konnte.

Das mit den Akkus halte ich für einen sehr feinen Zug von Panasonic. Es sollten sehr viel mehr unterschiedliche Kameras mit den gleichen Akku-Typen arbeiten können. Aber dafür lag der neuen Kamera kein separates Ladegerät mehr bei, sondern die Akkus sollen über den Body und ein USB-Netzteil aufgeladen werden, was ich für einen schlechten Trend halte, und so schätze ich mich glücklich, zumindest das Akkuladegerät aus dem Lieferumfang der alten Kamera noch weiterverwenden zu können.

 

Die neue Kamera und die alte

Die neue Kamera und die alte

Kurzum: Eine Panasonic Lumix GX80 ist es geworden. Mit ihrem Vor-Vorgänger GX7 habe ich bereits viele schöne Bilder geschossen. Weil ich zum Fotografieren gerne auch mal in dunkle Jazz-Keller gehe und dort zur eher schummrigen Bühnenbeleuchtung mit dem verfügbaren bisschen Licht auszukommen versuche, halte ich neben hohen ISO-Werten einen Bildstabilisator für nicht unwichtig, und seitdem ich im Zuge der GX80-Produktvorstellung davon las, dass der Stabi im Body meiner heißgeliebten GX7 eigentlich dem Stand der Technik sehr hinterherhinkt, habe ich mich immer gefragt, wie viel ein besserer Stabi bringen könnte, um die technischen Grenzen solcher Low-Light-Situationen weiter auszuloten, und ich muss zugeben das ich mit dem Status Quo nicht mehr recht zufrieden war. Reine Kopf-Sache natürlich.

So sind die beiden „großen“ GX80-Features, von denen in den Ankündigungen zu lesen war: Der verbesserte Bildstabilisator mit mehr Stabilisierungs-Achsen, mit DualIS und auch mit Funktion im Video-Modus. Außerdem die 4K-Fähigkeiten vor allem in Sachen Video. Ob ich mir allerdings die 4K-Fotofunktionen genauer zu Gemüte führen werde, bin ich mir noch unsicher. Ich bin halt Fan von RAWs, und das, was bei „4K-Fotos“ herauskommt, sind offenbar immer JPEGs. Wenn ich aber irgendwann mal wieder an größere Video-Projekte kommen sollte, dann würde Filmen in 4K immerhin erlauben, deutliche Crops vorzunehmen und dabei als Output immer noch FullHD-Auflösung oder besser zu erhalten.

Eine erste Überraschung gab es beim DualIS: Das Objektiv muss diesen Modus auch unterstützen, ansonsten schaltet die Kamera bei einem stabilisierten Objektiv nie den Gehäusestabi hinzu. Als ich mir aufgrund meines nerdigen Update-Fimmels die Lumix-Firmwareupdate-Seite angeschaut habe, da gab es dort ziemlich viele Firmware-Updates nicht nur für Kameras, sondern auch für Objektive. Und in den Release Notes ist dort tatsächlich das eine oder andere Mal zu lesen, dass die Objektiv-Firmware um die Fähigkeit für DualIS erweitert wurde. Das traf zu fürs 14-42mm Kit-Objektiv und für die 2.8er-Objektive 12-35 und 35-100. Leider jedoch nicht für manch‘ anderes Objektiv in meinem Panasonic-Fuhrpark. Ziemlich krass, was heutzutage alles eine Firmware hat. Für Fans der analogen totalen manuellen Kontrolle ein Alptraum. Für mich als Digital-Fan finde ich es hingegen schon ziemlich cool, dass meine alten Geräte neue Fähigkeiten bekommen, ohne Alles neu kaufen zu müssen.

Einen Abend eines Stadtfestivals mit Musikbühne später trage ich auf SD-Karte meine ersten GX80-Fotos nach Hause, und ich hatte zuerst noch Sorge, ob mein Lightroom überhaupt schon aktuell genug ist, um die RAW-Files dieser Kamera verarbeiten zu können. Aber es kam sogar noch besser.

Beim ersten Mal habe ich es nicht einmal gemerkt. Beim zweiten Mal kam es mir nur komisch vor, irgendetwas ist anders als sonst. Erst beim dritten Mal wurde mir klar: Wenn ich in Lightroom die Crop-Funktion benutze, kann ich bei den GX80-RAWs von der gesamten Sensorfläche aus croppen. Doch was bedeutet das?

Die Panasonic Lumix-Kameras folgen dem Micro FourThirds-Standard und haben deshalb eine Sensorfläche im Seitenverhältnis 4:3 – im Falle der GX7 und GX80 von 16 Megapixeln. Ich mag aber das Seitenverhältnis 3:2 viel lieber und habe dieses in der Kamera eingestellt. Dabei wird der Sensor an seiner „längeren“ Ausdehnung (im Querformat die Breite) komplett ausgenutzt, aber es wird an seiner „kürzeren“ Ausdehnung (im Querformat an der Höhe) etwas weggeschnitten – macht bei der GX7/GX80 nur noch 14 Megapixel. Wenn man damit RAW-fotografiert, speichert die GX7 auch nur 14 Megapixel ab – eben genau das 3:2-Bild.

Bei der GX80 ist das nun aber anders, und bei Olympus kennt man es offenbar schon länger: Auch wenn die Kamera auf 3:2 eingestellt ist, enthält das RAW-File immer die kompletten 16 Megapixel 4:3-Sensordaten. Der Raw-Konverter zeigt trotzdem ein 3:2-Bild an – er liest diese Information ähnlich wie bei den Weißabgleichsinformationen aus dem RAW-File aus.  Erst, wenn man in Lightroom das Crop-Werkzeug auswählt, wird einem das nach rechts und links viel breitere (Hochformat) bzw. nach oben und unten viel höhere (Querformat) Bild angeboten, in dem man den Crop-Rahmen ziehen kann.

Das ist geradezu toll. Man muss erst mal „auf dem Plan haben“, dass in dem Bild noch mehr Pixel sind, als man sieht und mit denen man arbeiten könnte. Denn falls sich das Motiv vielleicht in 4:3 doch besser machen würde, könnte man die „abgeschnittenen“ Seiten wieder dransetzen anstatt noch weiter beschneiden zu müssen. Oder man bekommt einen ganz neuen Spielraum, in dem man den 3:2-Ausschnitt innerhalb des 4:3-Sensors verschieben kann. Letzteres fand ich sehr nützlich bei einigen Bildern, in denen ich versucht hatte, an einen sehr agil herumtanzenden Gitarristen stark heranzuzoomen – in einigen Fällen hatte ich in den „abgeschnittenen“ Teilen noch ein paar bildwichtige Elemente von ihm, die ich gerne verwendet und dann lieber an der anderen Seite stärker abgeschnitten habe.

GX80-Beschnitt in Lightroom

GX80-Beschnitt in Lightroom

Was ich daran so schön finde: Ich habe mit der neuen Kamera ein zusätzliches nützliches neues Feature bekommen, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte.

Und warum ist mir das so wichtig? Na, weil ich schon mal damit experimentiert hatte, ehemals bei der GX7 bei eingestelltem Seitenverhältnis 4:3 zu fotografieren und mir vorzunehmen, später am Computer die Fotos auf 3:2 zurechtzuschneiden. Das hat aber nicht so gut geklappt, denn weil ich die Bilder im Sucher als 4:3 gesehen habe, habe ich sie offenbar auch so komponiert, und deshalb gab es oft gar keine „Luft“, an der ich hätte abschneiden können, um auf 3:2 zu kommen.

Jetzt bei der GX80 kann ich die Kamera auf 3:2 belassen und verliere dennoch nichts von der Sensorfläche. Hach ja, da hat sich die Gear Acquisition also mehr gelohnt, als ich es ursprünglich gedacht hatte. Wie schön.

 

Technikschlacht – oder: Wie die Kamera dich nach vorn bringt

Wer gerne und viel fotografiert, der kennt das: Er wird angesprochen auf seine Spiegelreflexkamera. Was sei das denn für ein Modell, und welches Objektiv, und was ist das für tolles Zubehör, er sei deshalb sicher ein sehr guter Fotograf. Wer jedoch eine mit neuestem Lotoseffektmaterial beschichtete Antihaft-Bratpfanne besitzt, wird hingegen nicht darauf angesprochen, was für ein guter Koch er wohl sein müsse. Es ist eine Binsenweisheit, dass eine gute technische Ausstattung noch lange keine guten Bilder garantiert, denn es gibt da ja noch jemanden, der im richtigen Moment auf den Auslöser drückt und die Kamera in die richtige Richtung hält – und vielleicht hat er ja sogar einige technische Parameter bewusst auf die Situation abgestimmt.

Korrekt ist, dass manche Kameras gewisse Arten von Bildern überhaupt erst ermöglichen. Im Fotostudio wird normalerweise eine Blitzanlage ausgelöst – dies erfordert üblicherweise einen Blitzschuh. Für schnelle, unerwartete Schnappschüsse wird ein höllisch schneller Autofokus benötigt. Kompaktkameras holen zwar auf, erwischen die Situation aber oft immer noch eine Viertelsekunde zu spät. Sie sind hingegen sehr gut geeignet für Detailgroßaufnahmen („Makro“ im landläufigen Sinne), weil die mit ihnen gemachten Fotos wegen der kleineren Bildsensoren einen größeren Schärfebereich aufweisen. Zur nachträglichen Bildoptimierung am Computer bringen wiederum „größere“ Kameras bessere Voraussetzungen mit.

Jeder der Kameratypen ist geeignet, wunderschöne Bilder zu fabrizieren. Der ambitionierte Fotograf weiß das und ist deshalb durchaus nicht immer mit seinem „großen Besteck“ unterwegs, sondern weiß auch, Kompaktkameras für seine Zwecke zu nutzen, und die Fotoindustrie wird nicht müde, immer variantenreichere Fotoapparate in die Läden zu bringen, damit auch wirklich jedermann immer und ständig fotografieren kann und dabei tolle Bilder erhält.

Der ambitionierte Fotograf freut sich über Mitfotografierende, empfindet vor ihm in die Höhe gereckte Hände mit Kameras und Smartphones als Bildmotiv allerdings meist als störend und kann sich deshalb eines Tricks bedienen:

Man nehme eine Kamera mit möglichst großem Gehäuse und ein möglichst voluminöses Objektiv, wohlgemerkt kommt es nicht darauf an, ob das eine oder das andere nun besonders hochwertig ist. Ein Blitzgerät aus der Oberklasse, garniert mit einem wichtig aussehenden Softbox- oder Lightdome-Aufbau zusammen mit weiteren Accessoires, die das Gesamtkameragebilde möglichst kompliziert aussehen lassen, z.B. Winkelschiene, Reflektor, Abschattierer, tun ihr Übriges, um vor allem Eindruck zu schinden.

Wenn man dann beim Seifenkistenrennen, vor der Dance Contest-Bühne, vor der Tür des Standesamtes etc. etc. eine optimale Position erkämpfen möchte, um das Hauptmotiv zu erheischen …nun, dann hilft einem diese Konstruktion durchaus, Platz zu machen und sich Respekt zu verschaffen. Manche der umstehenden Zuschauer weichen dann sogar unweigerlich und ganz unbewusst aus. Und wenn da trotzdem immer noch mehrere Fotografen stehen, ratet mal, in welches der Objektive die Akteure wohl am wahrscheinlichsten schauen werden?

Solange es sich nicht gerade um massiv populäre Events wie ein Livekonzert einer berühmten Band oder den roten Teppich bei einer hollywoodartigen Filmpremiere handelt, auf denen zig derartig ausstaffierte Fotografen sogar mit vorheriger Akkreditierung um den besten Fotografierwinkel rangeln, kann diese Vorgehensweise auf kleineren Veranstaltungen aber sogar für einen ambitionierten Hobbyfotografen ganz gut klappen.

Per Technikschlacht den „Chef“ mimen – eigentlich schade, dass das überhaupt so klappt, denn man muss das wohl eher als unmoralisch einstufen, und deshalb sollte man davon nur spärlichen Gebrauch machen und zumindest das mitgeschleppte Zubehör halbwegs sinnvoll einsetzen können, damit es wenigstens auch einen praktischen fotografischen Nutzen hat.

Gegen das Verwackeln

Manchmal sind Bilder mit eigentlich schönen Motiven leider verwackelt. Damit das nicht passiert, braucht man nicht gleich eine große Profikamera, sondern man kann auch so einiges dagegen tun. Eigentlich gelten diese Tips genauso für Profikameras wie für Kompaktknipsen und sogar für Handys.

Daumenregel. Je näher man heranzoomt, desto schwieriger ist es, das Bild ruhig zu halten. Es kann also etwas bringen, mit den Füßen näher heranzugehen und mit der Kamera weniger zu zoomen. Für die alten Kameras mit dem Dosenfilm konnte man grob über den Daumen gepeilt sagen, die Belichtungszeit sollte dem Kehrwert der Brennweite oder kürzer betragen, damit man das Bild nicht verwackelt. Wer das selber ausrechnen möchte, sollte mit dem 35mm-Äquivalent der Brennweite oder alternativ mit dem Cropfaktor rechnen, aber viele digitale Kompaktkameras machen das schon von sich aus und blenden ein Symbol ein, das auf die Verwacklungsgefahr hinweisen soll. Wenn man so ein Symbol sieht, sollte man es ernst nehmen und sich mal umschauen, ob man einen der weiteren Tips hier anwenden kann.

(Mini)stativ. Mit Kompaktkamera wird man wohl eher kein großes Stativ dabeihaben, aber es gibt auch kleinere Ausgaben, die man jederzeit in der Jackentasche dabeihaben kann und die man auf einem Tisch oder sonstwie erhöhten Fläche platzieren kann. Ganz besonders spezielle Ministative kann man sogar ständig unter die Kamera geschraubt lassen und hat sie so immer dabei. Mit dem Stativ kann man die Kamera wirklich vollständig ruhig aufstellen und sogar Fotos machen, die mehrere Sekunden lang belichten müssen. Bei mehreren Sekunden sollte sich das Motiv allerdings nicht bewegen, sonst verwischt es, oder man nutzt so eine Verwischung als besonderen Effekt.

Abstützen. Wichtig ist doch nur, dass sich die Kamera nicht bewegt. Wenn gerade kein Stativ zur Hand ist, warum sie nicht einfach gegen eine feste Oberfläche drücken? Natürlich so, dass sie nicht wackelt! Zum Beispiel einen Laternenpfahl, oder es gibt sicher auch noch viele andere feststehende Dinge drinnen und draußen, die man dafür verwenden kann.

Beanbag. Foto-Profis haben angeblich oft einen Bohnenbeutel dabei. Er soll dafür gut sein, dass man die Kamera so in ihn hineindrücken kann, dass sie nicht unbedingt parallel zu einer Tisch- oder sonstigen Oberfläche stehen muss, sondern ähnlich wie bei einem Stativ auch einen Winkel einnehmen kann. Unvorbereitet wird sich vielleicht eher selten etwas finden lassen, dass man als Ersatz-Beanbag hernehmen kann, aber vielleicht hat man ja Glück…

Der alte Seilchentrick. Sollte man eine halbwegs stabile Schnur auftreiben können, stellt man sich mit den Füßen auf sie und drückt die Kamera nach oben gegen die Schnur ab. Immer noch etwas wackelig, aber die Spannung nach oben verleiht dennoch eine gewisse Stabilität, die vielleicht schon ausreicht, um das Foto nicht zu verwackeln.

Zu guter Letzt: Wenn man die Kamera für eine Langzeitbelichtung ohnehin fest irgendwo hinlegt oder auf ein Stativ montiert hat, kann das Drücken des Auslösers bereits eine gewisse Erschütterung bewirken, die das Bild leicht verwackeln lässt. Bei Profikameras kann man einen Fernauslöser benutzen, um das zu vermeiden, aber es geht auch genial viel einfacher mit der Selbstauslöse-Verzögerung: Einfach den Selbstauslöser aktivieren, Auslöser drücken, und man hat dann sogar noch ein paar Sekunden Zeit, um die Kamera perfekt stabil auszurichten.

„Reck dich mal“

Das ist einer meiner häufigsten Sprüche bzw. wichtigsten Anweisungen: „Reck dich mal. Aus dir selbst heraus. So aus der Wirbelsäule.“ Das bezieht sich aufs Posieren bei „normalen“ Mitmenschen. Bei fortgeschrittenen Fotomodellen ist das natürlich anders, denn sie haben sich mit viel Übung angeeignet, immer gerade in dem Moment, wenn der Fotograf die Kamera „im Anschlag“ hat, eine bestimmte Körperspannung aufzubauen, sodass man sie nur sehr selten daran erinnern muss.

Bei Fotomodellen, so wurde es mir erklärt, gibt man am besten klare, knappe Anweisungen ohne großes Drumherumreden, sogar von einem höflichen „bitte“ wird manchmal abgeraten: „Hüfte etwas zurück. Rechte Schulter zu mir drehen. Kopf nach vorn, leicht neigen.“ Das wird so prompt befolgt, selbst wenn man mal eine „falsche“ Anweisung gegeben hat, sieht es immer gut aus, und man wird schnell fertig.

Diese Übung haben „normale“ Mitmenschen nicht. Um ihnen beim Posieren zu helfen finde ich es spannender, wenn sie sich in eine Haltung begeben, die ihnen angenehm und vertraut ist, und ich gebe dann eher sehr wenige Anweisungen. Zum einen braucht es oft so viele Worte, um die Unterschiede, was man mit drehen, neigen, vorne/hinten und oben/unten im genauen Detail meint, beiderseitig zu klären, dass man darüber manchmal fast die Grundkonstruktion der Pose vergessen hätte. Zum anderen steigt dadurch die Verunsicherung, und das würde dem Foto wesentlich mehr schaden, als wenn eine Pose nicht vollständig bis ins letzte Ende den Vorstellungen des Fotografen entspricht.

So ein gelegentliches „Reck dich mal“ lockert ungemein auf und baut die so wichtige Körperspannung wieder an der richtigen Stelle auf, nämlich von der Körpermitte her. Es ist ja nicht so, dass man vor der Kamera schlunzig in sich zusammensackt, aber wenn man sich so ein wenig nach oben reckt, ergibt es eben wieder so ein gewisses Finish.

Als ich die beiden folgenden Bilder von einem Shooting aus diesem Sommer verglichen habe, dachte ich deshalb gleich an diesen klitzekleinen Unterschied in der Körperhaltung. Die beiden Fotos unterscheiden sich so wenig, dass man es kaum sieht, wenn man sie bloß nebeneinander hält. Aber es gibt noch ein zweites unterschiedliches Detail.

Blättert man nämlich direkt beide Bilder übereinander, sieht man außer dem ganz geringen Unterschied in der Haltung auch noch, dass sich die Perspektive ein wenig ändert: Offenbar hatte ich das zweite Bild aus etwas niedrigerer Position fotografiert. Beide gefallen mir sehr gut, das zweite einen kleinen Tacken besser.

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„Reck dich mal“ beibt wichtig. Es hat mich aber durchaus etwas überrascht, wie bei diesem Bilderpaar auch die Perspektive mit hineingespielt hat.

Guck mal (nicht) aus’m Fenster

Du möchtest Menschen fotografieren? Portraits? Super! Ab ins Fotostudio: Hauptlicht, Aufhelllicht, Haarlicht gemäß Lehrbuch aufstellen und ausmessen, das Model korrekt positionieren, und -zing!- das ergibt ein tolles Foto mit wunderbar hellem Gesicht ohne zu dunkle Schatten und einem schönen, aber nicht übertriebenen Glanz auf den Haaren. Aber sind das eigentlich künstliche Effekte?

Diejenigen von euch, die der Fotografie nicht beruflich nachgehen, sondern einen Normalo-Bürojob ausüben, haben vielleicht eine Chance, eine besondere Beobachtung zu machen. Sicherlich kann man das, was ich gleich beschreiben werde, auch in anderen Kontexten beobachten – für mich selbst war es allerdings eine ganz besonders öde Konferenzraum-Meetingsituation, in der sich mir geradezu ein Aha-Effekt aufdrängte.

Wenn du einen Konferenzraum betrittst, nimm keinen Platz mit dem Rücken zum Fenster, sondern suche dir deinen Platz möglichst gegenüber der Fensterfront und nicht zu nahe beim Moderator oder anderen Kollegen, die voraussichtlich größere Redeanteile haben werden. Das Ziel ist, die Kollegen, die dir gegenüber sitzen unaufdringlich in Blick zu behalten. Offensichtlich ist dies recht leicht, wenn ihr Blick zum Moderator bzw. zum Vortragenden in eine andere Richtung geht.

Wenn du Glück hast, ist vielleicht gerade ein wechselhafter (Frühlings-) Tag, an dem es draußen mal sehr hell ist, mal recht dunkel und an dem auch mal die Wolken so interessant die Sonne verdecken, dass draußen zwar ein wunderschönes Leuchten entsteht, aber dennoch zu wenig vom Tageslicht in den Konferenzraum flutet und ein Kollege deshalb die Innenbeleuchtung einschaltet.

Dies ist die perfekte Umgebung, um sich selbst mal klarzumachen, was eigentlich all das verschiedene Licht ausmacht. Achtet dann mal darauf, wie welches Licht wo herum um die Köpfe Eurer Kollegen fließt, wann aus welchem Licht ein bisschen Haar-Glanz entsteht und wie sich überall sonst noch hell/dunkel-Partien verteilen bzw. wie genau sich die Helligkeit der Gesichter im Verhältnis zum Hintergrund verändert, wenn die Deckenbeleuchtung im Raum eingeschaltet wird im Gegensatz zu den bloßen Tageslichtreflektionen an den weißen Wänden, solange das Raumlicht ausgeschaltet war. Es ist schwer in Worten auszudrücken und vielleicht ist Euch das alles ja schon klar gewesen, bevor Ihr ins Fotostudio gegangen seid, aber man sollte es ruhig mal gesehen und wirklich darauf geachtet haben, und dafür fand ich so ein langweiliges Business-Meeting gerade richtig.

Hat man einmal den Dreh raus, auf welche Licht/Schatten-Flüsse man achten könnte, ist es überraschenderweise gar nicht mehr so schwierig, auch viele andere alltägliche Situationen zum „Sehen üben“ zu verwenden, und man erkennt vielleicht ebenfalls einige Funktionen der drei klassischen Lehrbuch-Studiolichter wieder. Vielleicht kommt man drauf, ob sich das, was man im Studio herbeizuführen versucht, einfach nur aus natürlichen Lichtgegebenheiten ergibt, wenn man sie ein wenig idealisiert…?

Wenn knallrot farblos bleibt

Ziemlich offensichtlich, dass bei einem Schwarzweißbild die Signalfarben fehlen. Als ich mich mit diesem Foto ein wenig auseinandergesetzt habe, ist mir das ganz besonders aufgefallen.

Weit geöffnete Rosenblüte - schwarzweiß

In dieser schwarzweißen Variante wirkt die weit geöffnete Blüte vor allem durch den Kontrast, dass sich die dunkle Form vor den hellen Hintergrund schiebt, und natürlich wird das durch die Geometrie der einzelnen Blütenblätter unterstützt.
Dass nach oben hin irgendetwas aus dem Bild herausragt, nimmt man zwar wahr, es stört aber den Gesamteindruck nicht wesentlich. Im Gegenteil, als Betrachter verweilt man vielleicht sogar eher noch auf einem Bezug von der Blüte im Vordergrund zum Baum im Hintergrund, was bildanaysemäßig möglicherweise sogar auf ein paar im Bild versteckte Diagonalen zurückzuführen sein könnte.

Ganz anders in Farbe:

Weit geöffnete Rosenblüte - in Farbe

In kräftigem knallrot schiebt sich die Blüte sehr viel stärker in den Vordergrund, und der Blick wandert unmittelbar zu dem, was nunmehr eindeutig als eine geschlossene Rosenknospe zu erkennen ist, aber in diesem Fall stört es so sehr, dass dieses Detail so ungünstig abgeschnitten ist, dass man unweigerlich meint, das Bild sei falsch fotografiert, und man hätte eigentlich einen anderen Bildausschnitt (höher) oder eine andere Perspektive (von tiefer aus) wählen müssen.
Vielleicht hat es zusätzlich sogar damit zu tun, dass hier im farbigen Bild der Bezug zwischen dem Baum und der geöffneten Blüte wesentlich schwächer ist, denn unweigerlich springt der Blick immer wieder zur Signalfarbe zurück.

Schaue ich von hier aus noch einmal zurück zum Schwarzweißbild, so erkenne ich auf ihm nun deutlicher, um was es sich bei dem nach oben herausgragenden Etwas handelt, jedoch finde ich, dass es mich auf dem Schwarzweißbild immer noch längst nicht so sehr stört wie auf dem farbigen. Das aus dem Farbbild erworbene Wissen scheint nur einen sehr geringen Einfluss darauf zu haben, wie ich mit meinem Blick über das schwarzweiße wandere. Höchst interessant!

Dies sei soweit eine von mehreren Erkenntnissen aus meinem Schwarzweißprojekt. Zur Erinnerung: Ab und zu gehe ich zum Fotografieren mit Schwarzweiß+RAW eingestellter Kamera los und versuche so, mir die Sache mit dem Schwarzweiß besser klar zu machen.

Kirmes-Stagelights

Movingheads! Einfach nur ein paar Movingheads. Und vielleicht auch eine gewisse Lichtmenge von vorne. Das ist mein Fazit eines Abends im Kirmeszelt, als drei Coverbands um die Wette spielten.

Der Reihe nach: Ursprünglich bin ich ja ein Provinzheini und kenne Dorfkirmes bloß als lockere Ansammlung einiger Fahrgeschäfte und Fress-/Trinkbuden. Dass auf einer viel größer dimensionierten Rheinkirmes in Düsseldorf die Trinkbuden als riesige Festzelte daherkommen und die Zeltwirte zur Unterhaltung große Bühnen aufgestellt und Livemusikacts gebucht haben, hat sich aber mittlerweile sogar bis zu mir herumgesprochen. Entsprechend neugierig war ich, als ich sehr spontan von einem „Local Band Contest“ auf einer solchen Bühne erfuhr.

Zum Fotografieren nahm ich „leichtes Gepäck“ mit, also nur das 2.8er-Telezoom auf der µFT-Kamera, und ich geriet zeitlich ziemlich genau zur Ansage des ersten Acts unbehelligt an die vorderen Tischreihen vor der Bühne. Wie ich später auch einem der Bandmitglieder sagte, es ist ja schön, wenn man einfach so fotografieren kann, denn wenn irgendwer eine Akkreditierung eingefordert oder mich sonst irgendwie aufgefordert hätte, das Fotografieren bleibenzulassen, wäre ich wahrscheinlich auch kommentarlos wieder gegangen. Auch gut, wenn man sich deutlich auf das Geschehen auf der Bühne konzentrieren kann und dafür dann aus dem Publikum kaum seltsam angeschaut wird. Außer den Mitgereisten Freunden und Fans der Bands hielten auch noch zwei andere Fotografen, die wohl eher aus ähnlichen Gründen wie ich dabei waren, auf die Bühne drauf.

Im Gegensatz zu meiner sonstigen Musikerfotografie, wo ich mich auf Sessions begebe und eher mal Jazzer und Singersongwriter begleite, war hier natürlich partymäßige Covermusik angesagt, das Zelt ging gut mit – ein großes Volksfest halt. Die Bühne war sogar groß genug, dass ich mich vor ihr ganz gut bewegen konnte, um wesentlich unterschiedliche Blickwinkel einzufangen. Die allgemein aufgeheizte Stimmung sorgte auch für viele gute Posen bei den Musikern an ihren Instrumenten.

Und ebenfalls im Gegensatz zu den dunklen Jazzkellern und Session-Hinterzimmern, wo oft nur ein paar allzu einfarbig-getönte Scheinwerfer möglich sind, gab es hier richtig amtliches Festival-Licht, nämich außer einer großen Anzahl von farbvariablen Scheinwerfern rund um die Bühne auch ordentliche Frontlichter, die hauptsächlich nur zwischen kaltweiß und warmweiß wechselten, zwei große Backlights, die wohldosiert effektvoll aufblitzten und die eingangs erwähnten Movingheads: Dabei handelt es sich um eine Sorte von LED-Scheinwerfern, die sich drehen und neigen sowie ihr Licht in mehrere Strahlenbündel auffächern können. Nur vier von diesen Movingheads, und es ergaben sich ständig andere Bilder, wenn sie in unterschiedlichen Winkeln und Farbkombinationen vor, hinter und direkt auf die Musiker gleißten. Das 2.8er-Telezoom erwies sich als genau die richtige Wahl, denn damit kam ich auf der großen Bühne schön nah an die Musiker heran. Man konnte fast ständig weiterfotografieren, weil sich bei dem ständig wechselnden Licht irgendwie immer wieder neue Szenen ergaben. Hach!

Schon vor Ort war absehbar, dass das ziemlich gute Fotos werden würden, denn so viel Vielversprechendes habe ich schon lange nicht mehr auf der Kamera mit nach Hause genommen, und so ließ ich mir von den drei Bands ihre Kontaktadressen geben und mailte ihnen die Ergebnisse, wie ich sie in Lightroom entwickelt hatte. Durchaus erwähnenswert, denn wohl nicht alltäglich ist deshalb, dass alle drei Bands sich darauf auch bei mir zurückgemeldet haben. Und nicht nur das: Sie bedankten sich sehr, und wir erlaubten uns formlos die gegenseitige Verwendung der Bilder. Es muss ja nicht immer gleich ein drakonisches Juristenrelease sein, aber Nachfragen und sich ein Okay einholen, das gehört für mich einfach dazu. Und wenn es gegenseitig ganz relaxed gesehen wird, finde ich es sogar besonders angenehm. Wie in diesem Fall.

Großen Dank an die Bands

Die farbige Schwarzweißsesamstraße

Die folgende kleine Anekdote ist mir neulich wieder eingefallen.

Als ich ein kleiner Dötz war, hatten meine Eltern lange Zeit nur einen Schwarzweißfernseher. Meine Großeltern hatten allerdings schon länger einen Farbfernseher. Irgend eines schönen Abends blieben wir mal so lange bei den Großeltern, dass wir uns die Sesamstraße auf ihrem Farbfernseher ansahen. Natürlich kannte ich die Sesamstraße schon: Samson, Tiffi, Horst und Lilo, Herr von Bödefeld, Ernie und Bert und so weiter… aber bis dahin hatte ich alles immer nur in Schwarzweiß gesehen.

Zwei Tage später durfte ich zu Hause unseren Fernseher für die Sesamstraße einschalten, und ich bin mir bis heute sicher, dass ich diese eine Sendung in Farbe gesehen habe: Tiffy war rosa, Samson war braun, Ernie war rot und Bert war gelb. Dabei war es der gleiche Schwarzweißfernseher wie eh und je.

Zusätzlich paradox daran: Es war nur diese eine Sendung, die ich in meiner Erinnerung auf dem Schwarzweißfernseher in Farbe gesehen habe. Einen weiteren Tag später war wieder alles ganz normal schwarzweiß gewesen, und da war ich sogar noch meinen Eltern auf die Nerven gegangen, damit sie mir die Farbe wieder einschalten …leider ohne Erfolg. (Wer hätte das gedacht?)

Liebe junge Leute von heute, zum Kontext dieser Geschichte sei noch gesagt, dass es in der damaligen Zeit nicht nur schwarzweißes Fernsehen gab, sondern außerdem schaltete man auch bewusst das Gerät für eine einzelne Sendung ein und danach wieder aus.

Natürlich ist es in jeglicher Hinsicht unmöglich, dass der Schwarzweißfernseher wirklich ein farbiges Bild gezeigt haben kann, und rationale Erklärungen, wie so eine offensichtlich falsche Erinnerung zustande kommen kann, liegen auf der Hand. Aber ich nehm’s jetzt mal wieder als Beispiel für die Fotografie her, wie sehr sich Wahrnehmungen und Erinnerungen aufgrund individueller Kontexte oder Erlebnisse unterscheiden können.

Hilfe, meine Bilder sind so breit

Da komme ich neulich vom Fotografieren zurück, ziehe meine Bilder auf den PC, und beim ersten Durchgucken ist irgendwas anders. Ich erkenne nicht gleich, was es ist, jedoch wirken die Stadtlandschaften, die ich mit nach Hause gebracht habe, ungewöhnlich weit und hinterlassen bei mir zunächst einen stärkeren Eindruck als sonst.

Erst beim Herunterskalieren fürs Web fällt mir auf, dass ich gar nicht in meinem „eigentlichen“ Lieblingsformat 3:2 fotografiert hatte (siehe früherer Artikel zum Thema festes Bildformat), sondern die Kamera stand wohl aus Versehen auf 16:9. Und offenbar habe ich damit einige Bilder komponiert, bei denen ich weder rechts noch links etwas wegschneiden kann, um sie auf 3:2 zu bringen. Hier sind zwei davon.

Unter Theo Heuss (der Brücke) hindurchfotografiert

Dem aufmerksamen Beobachter fällt vielleicht auf, dass es sich um Bilder aus meinem Schwarzweißprojekt handelt. Es scheint sich ja mittlerweile auch zum Stadtlandschaftsprojekt entwickelt zu haben. Hier halte ich es allerdings gerade mal für angebracht, farbige Entwicklungen der Rawfiles zu zeigen, was im direkten Vergleich auch schon mal recht interessant ist.

Heinrich Heine und Theo Heuss

Der eingangs erwähnte stärkere Eindruck der Bilder kommt vielleicht dadurch zustande, dass ich äußerst selten in 16:9 fotografiere, also meine eigenen Bilder nie als 16:9 sehe, und wenn ich das öfter täte, ergäbe sich sicherlich ein Gewöhnungseffekt. Schließlich kräht ja auch kein Hahn mehr nach Breitbildcontent im Fernsehen: Es ist mittlerweile komplett alltäglich geworden.

Dass ich die Bilder aber seitlich gar nicht beschneiden mag, beschäftigt mich dann doch irgendwie. Gerade mit den sehr knappen Brückenpfeilern bzw. dem Geländer am seitlichen Rand gefällt mir das ganz gut so; bei noch mehr Weite hätten störende Elemente deutlich ins Bild hineingeragt. Und ich hatte zwar mehrere Versuche gemacht, aber die Bildaufteilung zwischen Landungssteg bzw. Schiff und der Brücke gefiel mir so auch am besten. Zufälligerweise also im 16:9-Verhältnis.

Hätte die Kamera auf 3:2 gestanden, hätte ich dann eigentlich einfach mehr Wolken mit ins Bild zu nehmen versucht und gar nicht so sehr viel mehr vom Ufer? Oder hätte ich für 3:2 einen anderen Winkel zur Szene gefunden, über den sich rechts, links, oben und unten doch wieder einen ganz ähnlichen Bildausschnitt ergeben hätte? Und was hat es vielleicht damit zu tun, dass die Kamera auf schwarzweiß eingestellt war, ich also mit einem schwarzweißen Vorschaubild fotografiert hatte? Fragen, auf die ich gar keine endgültigen Antworten haben möchte…

Bleibt vorläufig die Erkenntnis, „oh, so breit“ 🙂

Photo Walk Rheinuferpromenade

“Oh, guck mal da vorne, das Schiff. Schnell, schnell.”
“…”
“Mist, zu spät. Schau mal, es ist schon zu weit gefahren. Es wäre schöner gewesen, wenn es noch mehr links vom Brückenpfeiler wäre. Dieses hier geht so gerade noch.”
“Dann müsstest du jetzt zurückgehen und von der anderen Brücken aus fotografieren.”
“Oder einfach aufs nächste Schiff warten.”

Schiff auf dem Rhein

„Entschuldigen Sie, darf ich Sie mal ansprechen?“
„Ok.“
„Was haben Sie denn da eben fotografiert?“
„Das Schiff, wie es auf dem Fluss vor der Brücke fährt.“
„Und warum haben Sie das fotografiert?“
„Weil es mir gefallen hat und ich es für ein schönes Motiv halte.“
„Wo kommen Sie denn her?“
„Aus Ratingen.“
„Und wo kommt Ihr Kollege her?“
„Aus Krefeld.“
„Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe den Eindruck, dass Sie vorhin nicht im Sinne des Friedens fotografiert haben. Frieden ist etwas sehr wichtiges, wissen Sie.“
„Ja, Frieden ist sehr wichtig. Ich bedanke mich bei Ihnen für den Hinweis.“

AutoISO bei Blendenvorwahl

Offenbar selbst für einige „alte Hasen“ ist überraschend, was für interessante Aspekte sich bei Verwendung der AutoISO-Funktion in den Kamera-Halbautomatiken ergeben und insbesondere bei der Blendenvorwahl (A/Av).

Eigentlich ist es recht einfach, man muss nur die Einzelheiten mal durchspielen: Erinnern wir uns daran, dass für ein korrekt belichtetes Bild eine von mehreren korrekten Kombinationen von Zeit, Blendenöffnung und Empfindlichkeit (ISO) gewählt werden muss.

Wie funktioniert’s?

Betrachten wir der Einfachheit halber hier nur den Fall von „zu wenig Licht“, denn das ist der Fall, in dem es interessant wird.

Für die ersten Überlegungen stellen wir zunächst die ISO auf einen festen Wert, dann bedeutet Blendenvorwahl, dass die Blendenöffnung ebenfalls fest eingestellt ist und die Automatik lediglich eine dazu passende Belichtungszeit errechnet.

Die errechnete Belichtungszeit kann sehr großzügig berechnet werden, denn schließlich können die meisten Kameras Zeiten bis zu 30 Sekunden einstellen und verwenden längere Zeiten lediglich aus (Achtung, vereinfachende Behauptung!) Bequemlichkeit der Firmwareprogrammierer nicht. Das soll heißen: Bei Blendenvorwahl kann das Belichtungsziel strenggenommen nie verfehlt werden. Dies steht im Gegensatz zur Zeitvorwahl (S/Tv), wo es vorkommen kann, dass die Blende einfach nicht weiter geöffnet werden kann und das Bild deshalb zu dunkel wird.

Trotzdem geben manche Kameras bei Blendenvorwahl möglicherweise eine Warnung aus. In so einem Fall blinken allerdings üblicherweise keine der Belichtungswerte oder werden rot. Sondern so eine Warnung bedeutet, dass das Bild verwackelt werden könnte! Und wie kommt die Automatik zu so einer Schlussfolgerung? Mittels der ungefähren Daumenregel, dass man den Kehrwert der Brennweite in mm in Sekunden gerade noch ohne Verwacklung halten kann! (Bei 50mm ergibt sich 1/50s.) Kameras, deren Sensoren kleiner als das „volle“ 35mm-Format sind (hierfür gilt die Daumenregel) haben in diese Berechnung außerdem einen Korrekturfaktor für die Sensorverkleinerng/Brennweitenverlängerung/Ausschnittsvergröerung einbezogen.

Soll heißen: Wenn die Kamera bei Blendenvorwahl eine Warnung ausgibt, dann wird das Bild nicht etwa zu dunkel, sondern möglicherweise verwackelt.

Schalten wir nun endlich AutoISO ein. Das Ziel von AutoISO ist auf allen Kameras, die mir bisher untergekommen sind, die ISO so gering wie möglich zu halten, sicherlich um des geringeren Bildrauschens willen.

Also wann sollte AutoISO zur nächsthöheren ISO-Stufe springen? Erst, wenn das Bild mit dem geringeren ISO nicht mehr korrekt gemacht werden kann! Wie wir aber gerade gesehen haben, kann das strenggenommen eigentlich nie passieren, weil Belichtungszeiten bei Blendenvorwahl beliebig lang werden können. Dies klingt also nicht nur nach einem unmöglichen Kriterium, sondern auch nach einem sinnlosen.

Viel besser ist es, das Verwacklungskriterium heranzuziehen, und das bedeutet: AutoISO wird dann um entsprechend viele (Drittel-)ISO-Stufen hochschalten, wenn die Automatik aufgrund des Brennweitendaumenregelreziprokwertes ansonsten Verwacklungsgefahr befürchten müsste.

Schon klar, dass das alles so nur funktionieren kann bei Objektiven, von denen die Kamera die (eingestellte) Brennweite auslesen kann. Ob sie das kann…: Falls die Brennweite in den EXIF-Daten zum Bild vorkommt, wäre das ein Indiz dafür.

Auswirkungen

Wenn ich das mit meinem beiden Reisezooms ausprobiere, habe ich bei der längsten Brennweite an der Canon EOS550D 270mm * Cropfaktor 1,6 und erhalte eine Belichtungszeit von mal 1/400s und mal 1/500s. Bei der Panasonic Lumix GH3 sind es voll aufgezoomt 140mm * Cropfaktor 2 bei einer Belichtungszeit von 1/320s. Und je nach Licht entsprechend unterschiedliche ISO-Werte. Nur wenn genügend Licht für die geringste oder zu wenig Licht für die höchste ISO-Stufe vorhanden sind, ergeben sich andere Belichtungszeiten.

Dass sich AutoISO bei Blendenvorwahl auf allen drei Kameras, die ich besitze, wirklich so verhält, finde ich unglaublich sinnvoll und praxisnah, denn wenn die Kamera auf einem Stativ steht, habe ich sicher auch Zeit, einen Moment über die Belichtung nachzudenken, bzw. ich stelle vom Stativ aus eh‘ eine geringe ISO-Empfindlichkeit fest ein. Hingegen in Situationen, in denen man Automatiken schätzt, weil vielleicht nur Sekunden oder deren Bruchteile bleiben, um ein Bild zu „erwischen“, halte ich die Kamera tatsächlich in der Hand.

Als Resultat des ganzen Zinnobers wird man bei Blendenvorwahl mit AutoISO allerdings immer mit relativ langen Belichtungszeiten konfrontiert sein, die gerade so eben nicht verwackeln. Das kann man mögen, oder man kann es problematisieren. Es ist halt so. Möglicherweise handelt man sich dadurch schon mal Verwischer bei schnellen Bewegungen von Objekten im Bild ein, allerdings scheint es auch einen Zeit-Wert zu geben, über den Automatik grundsätzlich nicht hinausgeht: Am „kurzen Ende“ der Reisezooms erhalte ich bei der Canon EOS550D 1/30s (getestet bei 18mm * Cropfaktor 1,6) und bei der Panasonic Lumix GH3 1/60s (getestet bei 14mm * Copfaktor 2), allerdings hat die Lumix auch einen gesonderten „Intelligent ISO“-Modus, der bis zu 1/15s heruntergeht, allerdings wohl gänzlich anderen Prinzipien folgt, die ich bislang noch nicht so gut nachvollziehen konnte. (Möglicherweise betreibt er eine Bewegungsanalyse auf dem Preview-Bild zur Wahl der Belichtungszeit?!?)

Überhaupt verändert sich die durch AutoISO aufgrund der Brennweitenreziprokregel zustandekommende Belichtungszeit nur sehr wenig, nämlich gerade mal um den Zoomfaktor, und auch nur, wenn man den Zoom wirklich nutzt. Bei Festbrennweiten ergibt sich gar eine immer gleiche Belichtungszeit, zumindest in der Theorie. Das ist übrigens bei der Zeitvorwahl mit AutoISO nicht viel anders: Wenn man die gleichen Gedanken mal für die Zeitautomatik durchspielt, erklärt sich auf entsprechende Weise, warum man ständig bei Offenblende fotografiert. Zur Erinnerung: Wir behandeln hier nur den Fall von „wenig Licht“; bei „viel Licht“, wenn die niedrigste ISO-Stufe vernünftig genutzt werden kann, sieht es ein wenig anders aus.

Mit diesen ganzen Gedanken kommen wir übrigens auch zu einem Argument, weshalb es eigentlich sinnlos ist, das Limit für AutoISO auf etwas anderes als das Maximum einzustellen: Getreu Chris Marquardts Motto „Willst du lieber ein verwackeltes oder lieber ein verrauschtes Bild? Dann natürlich lieber ein verrauschtes!“ würde ein zu stark begrenzendes AutoISO-Limit nämlich dazu führen, dass die Belichtungszeit verlängert werden müsste (Blendenvorwahl) …und das Bild verwackelt aus der Kamera kommt. (Und bei Zeitautomatik, wenn das Bild aufgrund zu stark begenzenden AutoISO-Limits zu dunkel geworden ist, ergibt sich beim nachträglichen Aufhellen normalerwise sogar eher mehr Bildrauschen, als wenn direkt die entsprechend höhere ISO-Stufe benutzt worden wäre.)

Mit Bildstabilisator?

Jetzt ein kleiner Gedankensprung und zurück zur automatischen verwacklungsfreien Belichtungszeitermittlung bei der Blendenvorwahl.

Besonders gewitzte Zeitgenossen wie ich 😉 fragen sich nämlich auch, was eigentlich passiert, wenn man ein Objektiv mit einem Bildstabilisator benutzt. Wie erinnern uns: Mit Bildstabilisator versehene Objektive werden beworben, dass sie Belichtungszeiten von zwei bis vier Stufen „länger“ ermöglichen sollen, ohne zu verwackeln. Und wenn AutoISO zwar das Verwackeln verhindern, aber dennoch den ISO-Wert möglichst gering halten möchte, dann könnte sie bei vorhandenem Stabilisator die Belichtungszeit doch entsprechend des Stabilisators großzügiger einstellen, um nicht auf eine höhere ISO-Stufe wechseln zu müssen…? Allerdings scheine ich keine Kamera/Objektiv-Kombination zu besitzen, bei der das tatsächlich so funktioniert. Vielleicht erkennt die Kamera das Vorhandensein des Bildstabilisators überhaupt nicht, oder vielleicht wird er einfach nicht auf diese Weise von der Automatikbelichtung genutzt. (Sinnvoll bleibt er ja trotzdem, denn weil man sich nahe an der Verwacklungsgefahr-Grenze bewegt, erhält man durch ihn einen gewissen „Sicherheitspuffer“.)

Aus einigen Zuschriften an Happyshooting habe ich herausgehört, dass manch‘ andere Kameranutzer genau wie ich über dieses eigentlich erwünschte Verhältnis zwischen AutoISO und Bildstabilisator denken, aber es funktioniert wohl bei ihnen ebenfalls nicht so wie erdacht. Da könnte noch interessant sein, wie es sich bei Kameras verhält, bei denen nicht das Objektiv, sondern der Sensor stabilisiert wird, denn vielleicht ergeben sich dort die stabilisierten Beichtungszeiten ja von vornherein genau wie gewünscht?

Noch toller und so richtig geekig könnte es sogar werden, wenn man mal der Fantasie freien Lauf lässt und annähme, man könne einen Korrekturfaktor für die Verwacklungsgefahr als Setting in einem tief verschachtelten Kameramenü einstellen, zum Beispiel, wenn man gerade mal eine zittrige Hand hat und die Automatik gerne anweisen möchte, abhängig von der Brennweite lieber noch eine Zeitstufe mehr „Sicherheit“ zu geben. (Nachtrag 1.3.2014: Im Happyshooting-Nachhall wurde genau so ein Schieberegler in einem Konfigurationemenü einer Nikon-Kamera gesichtet worden. Genaueres zu AutoISO bei Nikon hat Rainer Holland zusammengestellt.) Aber andererseits wäre das total übertrieben, und man schaltet dann wohl wirklich lieber um auf die Denkweise „M mit AutoISO ist das neue Av“: So gibt man außer der Blende auch noch eine Belichtungszeit fest vor und überlasst die Variabilität komplett der ISO-Empfindlichkeit.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt

Aktuelle (Beta-)Versionen der Magic Lantern (Firmware-Erweiterung für einige Canon-Kameras) enthalten einen alternativen AutoISO-Modus, der zwar konfigurierbar ist, aber es lässt sich lediglich die maximale Belichtungszeit einstellen, ab der auf die nächsthöhere ISO-Stufe geschaltet wird; eine Abhängigkeit von der Brennweite entsprechend der Verwacklungsgefahr ist wohl nicht vorgesehen. (Ein sehr vereinzelter Aspekt, in dem sich die Canon-Automatik flexiber anpasst als die coolen Hacker-Funktionen.) Ganz neuerdings hat die Magic Lantern sogar einen eigenen Automatikbelichtungsmodus bekommen, der anscheinend viel flexibler als P, Av und Tv zusammen an spezifische Bedürfnisse angepasst werden kann, weil die Anpassungsschritte, wann welcher Belichtungsparameter (t, A, ISO) wie verändert wird, sehr frei definiert werden können, wenngleich immer noch nicht unter Berücksichtigung der Brennweite/Verwacklungsgefahr. Klingt sehr interessant; das muss ich beizeiten mal ausprobieren.

Bei der Verwendung von AutoISO zusammen mit einem Blitz, insbesondere beim (e/i)TTL-gesteuerten Blitzen wird alles anders und viel komplizierter: Hohe ISOs können sogar bei geringstmöglicher Blitzleistung immer noch zu viel Licht vom Blitz abkriegen, weshalb wohl manche Kameras beim Blitzbetrieb das AutoISO-Limit fest und nicht konfigurierbar viel zu früh auf ISO400 abriegeln. (Schöne Grüße hierzu an den Canon-Support und danke, dass Ihr mir die Stelle im Handbuch gezeigt habt, wo das steht, aber eigentlich hatte ich es als Verbesserungsvorschlag einbringen wollen.)

Schwarzweißbanalveredlung?

Neulich erwähnte mein Bruder mal, dass er sich nicht so gerne Schwarzweißfotos ansehe, weil diese durch ihre Farblosigkeit irgendwie immer so künstlich als etwas Besonderes wirken. Das sehe ich im Grunde genauso und fasse diesen Sachverhalt manchmal sogar noch extremer als „Schwarzweiß ist feige“ zusammen, obwohl mir durchaus bewusst ist, dass sich „richtige“ Schwarzweißfotografie durchaus in mehr ausdrückt als im bloßen Weglassen von Farbe.

Meine freche These „Schwarzweiß ist feige, denn Schwarzweiß sieht immer gut aus“ stammt vor allem aus meinen Erfahrungen mit den Musikszene-Fotos, die ich in den letzten beiden Jahren The Electric Era @Krefeld Unplugged / AStA-Keller Krefeld Vitus @Futschikato Jazz Session / Zirkus Messajero Mönchengladbach in vielen kleinen Keller- und Hinterzimmerbühnen gemacht habe, wo die Musiker oft nur in einfarbigem grünen oder gar roten Licht gestanden hatten und bei Defaultentwicklung kaum etwas zu erkennen war. Bei diesen Fotos hatte ich auf Wunsch der Beteiligten tatsächlich oft einfach nach schwarzweiß konvertiert, mir aber auch immer wieder die Mühe gemacht oder zumindest versucht, per sehr individuellem Weißabgleich und Farbkanaleinzelmodifikationen ein irgendwie stimmiges Farbbild hinzukriegen. Das ist manchmal ganz schön schwierig gewesen, ganz im Gegensatz zur Schwarzweißkonvertierung, deren Ergebnis bei minimalem Aufwand immer sehr vorzeigbar aussah. Auch andere Fotografen, die ich bei diesen Gelegenheiten traf, rissen immer wieder Sprüche wie: „Das ist mir zu viel rot, das mache ich einfach schwarzweiß.“

Nun nehme ich mir unter dem vorläufigen Arbeitstitel „Schwarzweißbanalveredlung“ ein Projekt vor, um für mich selbst dieser Sache mit dem Schwarzweiß auf den Grund zu gehen. Dass ich einen tendenziösen Projektnamens verwende, soll dabei nicht bedeuten, dass ich Schwarzweißes bereits vorverurteilt hätte, denn die Bilder sollen gar nicht (nur?) wegen eines unterstellten(?) Schwarzweißbanalveredlungs-Effektes schön aussehen, sondern ich werde versuchen, hoffentlich schöne Motive und nicht nur Banales zu finden. Daran heruminterpretieren kann man später immer noch. Aktuell soll das Ziel nur sein, mich mal wieder mehr zum freien Fotografieren anzustacheln und auch etwas neues dazuzulernen, das vielleicht gar nicht unbedingt einer in Büchern nachzulesenden Lehrmeinung entsprechen muss. Und es soll mir diesmal um das Schwarzweiße ansich gehen und ausnahmsweise mal nicht um weitere Nachbearbeitungs- und/oder Filtertechniken.

Deshalb gehe ich es wie folgt an:

  • Digitalkamera im Schwarzweißmodus, aber dennoch mit RAW-Speicherung.
    • Ersteres ist eine Empfehlung, die ich mal bei Chris Marquardt gehört habe als eine besonders gute Möglichkeit, mit einer Digitalkamera den Blick für Schwarzweiß zu schärfen.
    • Letzteres ermöglicht mir, jedes schwarzweiße Bild nachträglich in Farbe zu entwickeln, und das werde ich auch so machen, allerdings werde ich vorläufig nicht beide Bilder online nebeneinanderstellen.
  • Ich werde für dieses Projekt keine alten Farb-Bilder zu schwarzweiß konvertieren.
  • Ich verwende das Schwarzweißbild nur so, wie es als JPG aus der Kamera kommt.
  • Keine Nachbearbeitungen außer Anpassung für die Online-Bildschirmdarstellung (Resizing, Logo und ganz leichte Nachschärfung). Möglichst auch kein Cropping.
  • Möglichst mit der Kompaktkamera und nur in Ausnahmefällen auch mal mit der „großen“.
  • Falls viele (Stadt-)Landschaftsbilder aus Düsseldorf zusammenkommen, wäre es schön, binnen Jahresfrist genügende für einen hübschen Monatskalender zusammenzukriegen.

Die Bilder werden vorläufig in einem Album bei Flickr landen, und wer mich in Facebook oder Googleplus verfolgt, soll ebenfalls mit jedem neuen Foto genervt werden. Vielleicht ist unter den Betrachtern ja auch irgendwer, der sich vielleicht ähnliche Fragen stellt und ähnliches ausprobiert.

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Noch in den ersten Schritten dieses Projekts stolperte ich bereits über einige Aspekte:
Chris‘ Kommentar in Happyshooting (Es ging ebenfalls um eine auf über das schwarzweiß eingestellte Kamera, allerdings dennoch spätere Farbentwicklung aus dem Raw), dass bei Schwarzweiß die Farbe ja auch nicht ablenke. Ein interessanter, weil plakativer Spruch. Wenn ich nun drüber nachdenke, ob ich mich denn durch die Farbe in der täglichen Wahrnehmung der Welt abgelenkt fühle …eigentlich nicht, denn Farbe ist ja fester Bestandteil meiner Wahrnehmung. Oder vielleicht doch? Man denke z.B. an Signalfarben oder sonstige unterbewußte Farbwirkung?
Eine von Rolf in Meet The Gimp präsentierte Abhandlung über das menschliche Sehen, in der er auch den Aufbau des Auges zeigte und erwähnte, dass Farbrezeptoren im Zentrum des Blickfeldes viel stärker vorhanden seien und zum Rande hin nur noch Helligkeiten wahrgeommen werden. Hm… wie schade, dass man nicht einfach an seinem eigenen Blick vorbeischauen kann, um das zu überprüfen… 🙂
Und bei einem Blick auf die ersten Bilder aus diesem Projekt scheint es gar nicht so sehr wichtig zu sein, die Belichtung exakt zu treffen. Auch mit geschätzt bis zu einer Blendenstufe zu dunkel oder zu hell sieht ein Bild in Schwarzweiß anscheinend immer noch gut aus.

In jedem Fall interessant. Mal gucken, zu welchen Erkenntnissen dieses Schwarzweiß-Projekt sonst noch führt.

Das Canon-Rawtool: Genau wie die Kamera

Heute möchte ich von einem unschätzbaren Vorteil berichten, den ich beim Canon-Rawtool nutze, und zwar mittlerweile regelmäßig. Kurz gesagt: Die Rawentwicklungen aus Digital Photo Professional (so der Name des Canon-Rawtools) entsprechen sehr exakt denen der Kamera.

Dass das durchaus keine Selbstverständlichkeit ist, kann beurteilen, wer schon mal mit Rawkonvertern, die ohne Presets daherkamen, versucht hat, ein Bild ganz von Grund auf zu entwickeln und überhaupt etwas Basiskontrast hineinzukriegen, vernünftige Werte für Weiß- und Schwarzpunkt zu finden etc. etc. Wer mit moderneren Tools wie z.B. Lightroom arbeitet, kann sich zum Glück einiger Presets bedienen, die teilweise sogar automatisch anhand des Kameramodells vorgewählt werden und hat damit schon mal eine gewisse Basis, anhand derer er die weiteren Korrekturen und Verfeinerungen vornehmen kann. Diese Basis sieht aber dennoch ein wenig anders aus als das, was man direkt beim Fotografieren auf dem Kamerarücken gesehen hatte.

Wie es bei Nikon und Nikons NEX2-Tool mit der Gleichheit zwischen Bildern aus der Kamera und aus dem Raw-Tool aussieht, kann ich nicht beurteilen, da ich beides noch nicht verwendet habe.

Da ich als Immerdabeihabekamera eine Panasonic Lumix LX3 besitze, die ich nicht zuletzt auch wegen des Vorhandenseins eines Raw-Formates ausgewählt hatte, wollte ich auch deren Bilder gerne auf eine mir vertraute Weise korrigieren und installierte das mitgelieferte Tool. Es nannte sich SilkyPix Special Edition, und dass es von der GUI-Führung und Arbeitsweise schon wieder ein wenig anders war als die mir bis dahin bekannten Programme, ist die eine Sache. Die andere Sache jedoch, dass das Bild eben leider doch ganz anders aussah als das, was ich auf der Kamera gesehen hatte, und obwohl sich das Tool als regelrechte Preset-Schleuder für wirklich viele schöne und effektvolle Voreinstellungen entpuppte, gelang es mir in angemessener Zeit nicht, eben jenes Kamerabild wiederherzustellen. Das fand ich schade, und mittlerweile lasse ich die LX3 im Raw+Jpeg-Modus laufen, sodass ich auch die Jpegs verwenden kann, solange sie nicht zu sehr „off“ sind. Denn das, was die Kamera an Jpegs herausschmeißt und ich einfach in keinem Rawkonverter genau so reproduziert kriege, ist eigentlich sehr schön stimmig, besonders vom Leuchten her und der Abstimmung der Farben untereinander.

Klar fehlen mir in Canons DPP-Tool ein paar Bearbeitungsmöglichkeiten, ich nenne mal nur drei, und zwar: (1) Bereichskorrekturen, (2) die Möglichkeit, Farbtemperatur und Tint ausgehend von einem Preset oder ausgehend von einem manuell geklickten Weißabgleich nur leicht zu modifizieren und nicht zuletzt (3) die spektakulären Klarheit- und Dynamik-Regler aus Lightroom. Dennoch liebe Leute, unterschätzt dieses Tool nicht, ich finde es mittlerweile unglaublich praxisnah, seitdem ich mich genügend hineingefuchst habe, dass ich für ein Bild nur sehr wenige Mausklicks benötige und so auch relativ großen Mengen von Event-Bildern ohne allzuviel Aussortieren verarbeiten kann.

Demnächst werde ich mich aber wohl mal eingehender mit Lightroom beschäftigen, denn es war mal wieder Zeit für eine neue Kamera, und es ist eine Lumix GH3 geworden. Ihr liegt ebenfalls ein SilkyPix Studio bei – ich nehme, an, dass das eine „vollständigere“ Version sein dürfte als bei der LX3, aber da ich GH3 und EOS550D gelegentlich auch gemischt verwenden werde, muss ich unbedingt ausloten, inwiefern mich Lightroom für einen „einheitlichen“ Bildstil unterstützen kann. Wenn das klappt, wird das ein ganz anderer Vorteil sein, und ich werde es mit DPPs Vorteil der kameraoriginalähnlichen Bilder abwägen müssen…

Linkszoomende vs. rechtszoomende Objektive

Na, wem ist es schon mal aufgefallen? Und wer hatte dabei auch gleich die Assoziation zu links- und rechtsdrehende Joghurtkulturen? Es kann schon mal sein, dass die einen Objektive zum Heranzoomen nach rechts, die anderen nach links gedreht werden müssen.

Das ist eigentlich ungünstig für eine universelle Handhabung, denn wenn man von seinem ständig verwendeten Brot-und-Butter-Objektiv mal auf ein anderes wechselt und damit Fotos im Action-, Sport- oder Freizeitschnappschussbereich machen möchte, kann es schon mal eine Sekunde Aufmerksamkeit kosten, dass man, um die passende Zoomstufe zu finden, anders …und somit falsch… herum an dem Objektiv dreht, und das schöne Motiv ist weg. Auch mir ist das schon passiert.

Wer ausschließlich mit der Kompaktkamera fotografiert und sich wundert, worüber ich gerade schreibe, der sei daran erinnert, dass es bei Systemkameras keinen Motorzoom und keine Zoom-Knöpfe an der Kamera gibt, sondern dass die Objektive einen Zoom-Ring haben, an dem man zum Zoomen dreht. (Der Vollständigkeit halber: Sehr vereinzelt kann es auch vorkommen, dass Objektive einfach nach vorne herausgezogen werden müssen.)

Vielleicht ist auf dieses Phänomen auch noch nicht gestoßen, wer nur Objektive von einem Hersteller verwendet, denn soweit ich es bislang gesehen habe, scheinen die Objektive ein und desselben Herstellers immer die gleiche Zoomrichtung zu haben. Und vielleicht lässt sich hieraus ein Lösungsansatz für das Problem mit der Falschzoomsekunde konstruieren, nämlich indem man für Situationen, in denen man derart schnell reagieren muss, ein Objektiv vom gleichen Hersteller verwendet, wie man es gewohnt ist. Oder kann man sich die Falschzoomsekunde durch Üben abtrainieren bzw. auf Sekundenbruchteile verringern? Sich ausschließlich auf einen Hersteller zu beschränken …nun, ob man das tun möchte, ist wohl eher Geschmackssache.

Aber wo ist nun rechts und wo ist links? Bzw. von wo aus gesehen sagt man, wo rechts und wo links ist? (Das ist ja auch in anderen Bereichen des Fotografierens manchmal unklar.) Für die folgende Liste definiere ich wie folgt:

  • rechtszoomend, wenn sich die Drehbewegung fürs Heranzoomen von der Kameraseite aus gesehen im Uhrzeigersinn abspielt. Wenn ich mit meiner linken Hand den Daumen auf und den Zeigefinger unter dem Objektiv greife, bewegt sich der Zeigefinger (der untere Finger) beim Heranzoomen nach links. Der Daumen oben bewegt sich nach rechts.
  • und im gegenteiligen Fall halt linkszoomend.

An Objektiven, die sich in meinem eigenen Gerätepark befinden oder die ich mal Gelegenheit hatte zu begutachten, sind linkszoomend:

  • Canon EF-S 3,5-5,6/18-55 II
  • Canon EF-S 3,5-5,6/18-55 IS
  • Canon EF 55-200mm f/4.5-5.6 II USM
  • Canon EF 28-105mm f/3.5-4.5 II USM
  • Canon EF 4,0/24-105 L IS USM

und rechtszoomend:

  • Tamron 28-75mm Di f/2,8
  • Tamron 70-200mm Di f/2,8
  • Tamron 18-270mm Di II f/3,5-6,3
  • [Update 8. April 2013]
  • Panasonic Lumix G Vario HD 14-140mm f/4,0-5,8 OIS – H-VS014140E
  • Panasonic Lumix G X Vario 35-100mm f/2,8; Power OIS – H-HS35100

Wie herum zoomen Eure Objektive?

Entwickeln oder Bearbeiten?

Ich mache da einen gewissen Unterschied. Gerade wenn man sich dafür entscheidet, seinen Fotoapparat auf das Raw-Format einzustellen, sollte man sich überlegen, wie man die vielen Möglichkeiten, die eine Rawkonvertierung bietet, eigentlich nutzen möchte. Dass man sie nutzen möchte, wird ja wohl so sein, denn sonst kann man ja im JPEG-Modus bleiben.

Ein Rawfile muss immer erst einmal durch eine Rawkonvertierung gehen, damit überhaupt ein Bild daraus wird. Manchmal wird das mit dem Entwicklungsprozess eines chemischen Analogfilms verglichen, deshalb darf man bei einer Rawkonvertierung auch getrost von digitaler Fotoentwicklung sprechen.

Rawkonvertierer heißen Lightroom, Aperture, Digital Photo Professional, Capture NX, Bibble, RawTherapee usw. usf. Ist also alles, was ein Rawkonvertierer tut, dem Bereich „Entwickeln“ zuzuordnen? Mitnichten. Viele Rawkonvertierer können deutlich mehr. Die Unterscheidung – meine jedenfalls – zwischen Entwickeln und Bearbeiten ist nämlich durchaus nicht immer 100%ig eindeutig.

Bei mir hat es sich wie folgt herauskristallisiert:

Entwickeln würde ich tendenziell eher die Operationen nennen, die aufs gesamte Bild wirken und den Bildeindruck als Gesamtes bestimmen, und das dürfen ruhig auch große Veränderungen sein. Ganz offensichtlich sind das die klassischen Entwicklungseinstellungen wie Helligkeit, Weißabgleich, Kontrast und so weiter. Vielleicht zählt sogar ein HDR-artiges Tonemapping für mich gerade noch dazu. Für Bearbeiten halte ich hingegen eher die Veränderung einzelner Bildbereiche und definitiv die Anwendung von Bereichsmasken und Pinseln, man nennt es dann ja auch Retusche. Demnach könnte vielleicht sogar schon der in manchen Rawkonvertern eingebaute NDgrad-Filter für mich zu den Bearbeitungen zählen. Das Hinzufügen einer künstlichen Vignette ist auch so ein Zwitter; ich hatte ja vorausgeschickt, dass die Trennung manchmal nicht ganz eindeutig ist. Die „durchbrochene Vignette“, die ich sehr gerne nutze, ist aber ganz sicher eine Bearbeitung und keine Entwicklung mehr. Auch alles, was nach der Rawkonvertierung eventuell noch anschließend in einem anderen Grafikprogramm wie Photoshop, Gimp, etc. gemacht wird, mache ich als Bearbeitung und nenne es nicht mehr Entwicklung.

Gar nicht leicht einzuordnen sind geometrische Veränderungen wie Objektiv- und Perspektivkorrekturen. Vielleicht sind sie, wenn sie anhand von gut recherchierten Korrekturprofilen automatisch gemacht werden, eher der Entwicklung zugehörig – andernfalls, also wenn man versucht manuell zu korrigieren, eher Bearbeitung. Aber vielleicht wird es jetzt auch zu akademisch…

Meine Unterscheidung hat nämlich auch einen praktischen Nutzen:

Und zwar den, dass ich mir bei Serien, die auch für andere von Interesse sein könnten, durchaus vornehme, jedes Bild einzeln für eine gute Entwicklung zu optimieren. Aber eben längst nicht jedes Bild bearbeite. Das im Hinterkopf behaltend und der gelegentlichen Versuchung, trotzdem zu „bearbeiten“ widerstehend, komme ich üblicherweise relativ schnell mit dem „Entwickeln“ voran. Familienfotos, Partyfotos, Urlaubsfotos. Ja, alle diese werden bei mir nicht einfach 1:1 von der Kamera genommen, sondern „entwickelt“, was zwar meistens lediglich Weißabgleich- und Helligkeitskorrektur bedeutet, aber alleine das macht so manches Bild schon deutlich schöner. Bzw. oft sogar ähnlicher zu dem, was ich wirklich gesehen habe.

Habe ich hingegen Bilder, die mir für einen ganz bestimmten Zweck vorschweben, zum Beispiel ein mir selbst vorgenommenes Fotoprojekt, ein Fotokalender, Bilder für eine Sedcard, dann gehe ich von Vornherein von einer Bearbeitung aus und entwickle vielleicht gar nicht mal alle Aufnahmen, die ich gemacht habe, sondern versuche, anhand der Defaultentwicklung des Rawkonverters die vielversprechendsten herauszupicken und stecke dann vielleicht auch schon mal etwas mehr Aufwand in die Entwicklung, bevor es rüber in die Bearbeitung mit dem Allzweckgrafikprogramm (bei mir bekanntlich: Gimp) geht. Und dort kann es dann je nach Bild schon ein wenig dauern, bis alle Filter angewendet bzw. Ebenen gestapelt und die Ebenenmasken gemalt sind, durchaus auch schon mal per langwierigem Try&Error, und dann ist es gut, dass da nicht gleich Hunderte von Bildern auf eine Bearbeitung warten, sondern nur ein paar.

Dieser Unterschied ist, wie ich finde, mit konsequenter Wortwahl und Unterscheidung zwischen „Entwickeln“ und „Bearbeiten“, gut deutlich zu machen. Allerdings muss man ihn wohl ab und zu erklären. Das soll hiermit geschehen sein.

Vorsicht bei Infrarotblitzauslösern

Von wegen Infrarot! In der Theorie ist es zwar sehr praktisch, wenn man seine Studioblitze durch Infrarotlicht, das für das Auge und die Kamera unsichtbar beibt, auslösen kann. Aber in der Praxis kann das einige unerwünschte Nebeneffekte haben, weil tatsächlich doch immer irgendwie etwas Rot oberhalb der Infra-Unsichtbarkeitsschwelle mitkommt.

Dass ich mir für ein kleines Wohnzimmerfotostudio nicht gerade teuerste Profitechnik leiste, ist ja hoffentlich einzusehen. Dass ich die Blitze nicht kabelgebunden auslösen möchte, hoffentlich auch. Also griff ich zunächst zu einem dieser Infrarot-Blitzauslöser, die ja recht günstig zu kriegen sind. Sie haben ja auch den Vorteil, dass sie mit jedem Studioblitz zusammenarbeiten und man sich nicht schon wieder auf ein bestimmtes Zubehörsystem festlegen muss.

Allerdings stellte ich – leider erst nach längerer Zeit – ein Problem mit diesen praktischen Auslösern fest: Sie färben möglicherweise den Vordergrund des Bildes rot ein, denn wenn man genau hinschaut, blitzt der Auslöser eigentlich in einem ganz schön fetten Rot. Die beiden folgenden Beispielbilder sind bei ISO 100, f/8 und 1/125s  gemacht – wie ich erlernt habe, durchaus gerne genommene Studiosettings.

Und das sieht ja schon mal nach einem starken Stück aus! Besonders stark macht sich dieses Rot als Problem bemerkbar, wenn man mit vielen Schatten im Low Key-Bereich arbeitet und sein Sujet aus kurzer Distanz fotografiert. Gemein dabei: Per Weißabgleich ist dem Rotstich nicht beizukommen, weil er ja nahe der Kamera stärker und weiter entfernt von der Kamera geringer ist. Hat man hingegen genügend Abstand und eine durchaus helle Ausleuchtung des Sujets gewählt, kann man Glück haben, dass es kaum auffällt.

Ich habe mal eine einfache Testserie dazu gemacht: Alle Bilder bei exakt gleichen Bedingungen fotografiert (ISO 100, f/8, 1/125s, 5600K) und zwischendurch nur den Blitzauslöser gewechselt. Hier das Ergebnis:

Interessant zu sehen, dass einer meiner beiden Infrarotauslöser sehr stark reinhaut, während der andere zwar auch eine Verfälschung, aber eine deutlich dezentere prozudiert.

Mittlerweile habe ich ein relativ preisweters Funkauslöse-System gefunden und darauf umgestellt – schon ein einzelner passender Empfänger reicht ja meistens aus, damit sich die Blitze dann doch wieder per Lichtauslösung gegenseitig feuern können. Diesen Rotstich bin ich seitdem jedenfalls los – wie man auch sehr schön an den linken Bildern der Testserie sieht, und ein schöner Nebeneffekt des Funk-Systems, das ich jetzt verwende, ist, dass es auch Blitzschuhe bietet, mit denen man mal in Strobist-Manier unterwegs sein kann, um mobil zu blitzen, ohne gleich schweres Zubehör mitzuschleppen.

Das alles heißt ja nicht gleich, dass Infrarot Teufelswerk wäre und um jeden Preis zu vermeiden sei. Aber es kann ja jedermann für sich die Risiken und Nebenwirkungen, die es bringt, mal selber ausprobieren.

High ISO macht glücklich

…und dann war da noch die Frau, die neidisch auf mein repräsentatives 70-200er Objektiv blickte und sagte, sie habe ja leider nicht so ein großes Objektiv und könne darum nicht so schöne Bilder machen. Ich blickte auf ihre Kamera, eine Panasonic und zwar anscheinend eine aus der µFourthirds-Serie, und sah, dass sie den integrierten Blitz aufgeklappt hatte.

Wir standen in der Stadthalle im Publikum vor einer hell erleuchteten Bühne, auf der gerade jugendliche Videoclip-Tänzer unter ständig wechselnden Lichtfarben aus unzähligen LED-Scheinwerfern um die Westdeutsche Meisterschaft der „Juniors 2“ wetteiferten. Also eine von ihrem Nachwuchs begeisterte Mutter.

„Probieren Sie doch mal, den Blitz zuzuklappen und die ISO raufzudrehen“, schlug ich ihr vor. Es stellte sich heraus, dass die Kamera sogar schon auf Auto-ISO eingestellt war, und zwar bis ISO6400 beherrschte, also wohl ein durchaus noch aktuelles Modell sein dürfte. Keine Ahnung, in welchem Belichtungsmodus sie fotografierte – ich nehme an Vollautomatik, Szenenvorwahl oder P. Bei meinen eigenen Fotos war ich bei f/2.8 und 1/200s irgendwo zwischen ISO800 und ISO3200 herausgekommen, also dürfte sie mit ihrem lichtschwächeren, aber kürzeren Objektiv in einer ähnlichen Gegend gelandet sein, irgendwo im High ISO-Bereich.

Sie machte ein Bild von dem Geschehen auf der Bühne mit zugeklapptem Blitz und war sichtlich skeptisch, aber als sie dann auf ihr Display blickte, hellte sich ihre Miene auf. Ich brauchte gar nicht viel zu erklären, um wieviel schöner die Original-Lichtstimmung herüberkommt, wenn man nicht blitzt; sie konnte es direkt sehen.

Sicherheitshalber klärte ich sie noch darüber auf, dass die hohen ISOs durchaus auch ein Bildrauschen bedeuten, vor dem manche Profi-Fotografen regelrecht Angst haben. Die man aber vielleicht gar nicht haben muss, wenn man nicht gerade für Hochglanzwerbeanzeigen fotografiert. Die schöne Lichtstimmung kommt nun mal nicht einfach so, sondern man muss schon an anderer Stelle für sie „bezahlen“. Aber das nahm sie kaum noch wahr. Sie machte einen regelrecht überglücklichen Eindruck, dass ihre Fotos nun ohne Blitz viel schöner aussahen und fotografierte begeistert weiter, bis die Gruppe, in der wohl ihre Tochter mittanzte, die Bühne für die nächste Darbietung räumen musste.

…und die Moral von der Geschicht‘? Immer-Blitzen lohnt sich nicht. Jedenfalls ruhig auch mal ohne probieren.

Für ein festes Bildformat

Gelegentlich hört und liest man bei Fotowissenden, dass man ein Bild doch nicht auf ein festes Seitenverhältnis festlegen solle, sondern jedes Bild einfach so beschneiden möge, dass das „drin“ ist, was man „drin“ haben will und dass draußen bleibt, was man nicht „drin“ haben will, ganz egal und ohne sich ’nen Kopp drum zu machen, was dabei dann als Seitenverhältnis herauskommt. Man könnte dann ja behaupten, die Bilder auf ihre natürlichsten, zum Motiv passendsten Seitenformate beschnitten zu haben, quasi damit die Bildaussage zu verstärken. Diese Philosophie des Bildbeschnitts zum Standard zu machen – davon bin ich überhaupt kein Fan. Ich gehe nämlich davon aus, dass kaum ein Bild für sich alleine steht, sondern gerade im Zeitalter der digitalen Bilderflut immer zusammen mit unzähligen anderen gemeinsam angeschaut wird, und als ordnungsliebender Mensch empfinde ich es dann schlicht und einfach als harmonischer, auch das gemeinsame Seitenverhältnis als verbindendes Element zwischen den Bildern zu erleben. Schon klar, dass nicht jeder so gestrickt ist wie ich, aber ich mache hier ja auch Werbung für meine eigene Sicht der Dinge, gell?

Nichts gegen Web-Banner, nichts gegen besondere Formate für besondere Zwecke, aber auch dann steht doch eigentlich das Ziel-Seitenverhältnis im Vorhinein fest, und das Bild muss auf irgendeine Weise darauf gebracht werden.

Man kann ja auch argumentieren, wie Selbstbeschränkung die eigene Kreativität verstärkt, und dann kann die Vorab-Wahl des Bildseitenverhältnisses eben ein weiteres stilbestimmendes Element sein. An Allerwelts-3 zu 2-Bildern wird sicherlich das Seitenformat weder als spektakulär (vgl. Panoramaformate) noch als exotisch (dreieckig zurechtgeschnittene Bilder??) empfunden werden, umso mehr Bedeutung erlangt die sinnbedachte Platzierung des Bildinhaltes im vorgegebenen Format. Das geht bereits beim Fotografieren los.

Ein weiterer und zwar sehr praktischer Grund, Bildern eine vordefiniertes Seitenformat zu geben, ergibt sich fast automatisch, wenn man sie ausbelichten und eingerahmt an die Wand hängen möchte. Denn meistens möchte man doch zu einem der Standardrahmen greifen, und die gibt es nun mal nur in bestimmten Größen. Das Greifen zu Säge, Feile und Leim, um einen nichtstandardformatigen Rahmen selber zu bauen oder auch anfertigen zu lassen, dürfte eine große Ausnahme bilden. Auch individuell angefertigte Passepartouts kommen so oft nun auch wieder nicht vor. Ein interessantes Detail, das die Sache nicht unbedingt einfacher macht: Unterschiedliche Rahmengrößen haben oft verschiedene Bildseitenverhältnisse, und bei digitalen Bilderrahmen sind die Seitenlängen oft noch ganz anders. Sehr schade finde ich, dass gerade bei Digitalrahmen mein Lieblingsseitenverähtnis 3:2 beinahe gar nicht vorkommt: Wenn ein Rahmen breiter als 4:3 ist, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit 16:9.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir Bilder doch meistens auf dem Bildschirm anschaue, und auch wenn bei mir in letzter Zeit Hochkantbilder überwiegen, ziehe ich für folgendes Argument doch mal das Querformat heran. Denn 3:2 wirkt sowohl auf alten 4:3-Monitoren als auch auf den moderneren 16:9/10-Monitoren durchaus akzeptabel. Es treten zwar in beiden Fällen schwarze Balken auf, aber sie sind deutlich kleiner, und das Bild nutzt die vorhandene Fläche schon noch besser als die jeweiligen Gegenformate 16:9-Bild auf 4:3-Monitor und umgekehrt.

Versucht doch mal Bilder zu machen, die man gar nicht erst croppen muss! Zumindest die Nikon- und Canon-DSLRs und auch einige der ambitionierteren Kompaktkameras machen direkt 3:2-Bilder. Oder wenn ihr eine Kamera habt, bei der 4:3-Bilder herauskommen, dann macht solche Bilder. Sofern ihr meint, die Bilder beschneiden zu müssen, schneidet sie wieder auf das gleiche Seitenverhältnis. Es wird sich ein Lerneffekt einstellen, und ihr werdet immer weniger nachträglich beschneiden müssen, sondern stattdessen immer öfter gleich den richtigen Bildausschnitt mit der Kamera wählen.

Zielgerichtet (Gekonnt?) Belichten

Mit dem Artikel von neulich habe ich erklärt, wie die drei Belichtungsparameter Zeit, Blende und ISO-Wert zusammenhängen. Nun stellt sich die Frage: Welche Ziele kann man damit verfolgen? Da hier ist allerdings keim BWL-Unterricht, und beim Fotografieren strebt man normalerweise nicht Kostenminimierung und Shareholder Value an, aber auch in der Fotografie kann es Zielkonflikte geben, so dass man manchmal Kompromisse eingehen muss.

Ziele beim Fotografieren könnten sein:

Aus der Hand halten. Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass man den Kehrwert der Brennweite in Sekunden locker aus der Hand halten kann. Das ist leicht zu merken und wird deshalb auch gerne angewendet. Wenn man mit einer Brennweite von 50mm fotografiert, sollte die Belichtungszeit also eine Fünfzigstelsekunde oder kürzer sein. Wenn man näher heranzoomt, wird die Brennweite länger, also wird eine kürzere Belichtungszeit notwendig, um nicht zu verwackeln – zum Beispiel eine Zweihundertselsekunde bei 200mm.

Zu beachten ist bei dieser Regel, dass sie sich auf Kameras im Kleinbildformat bezieht, das bedeutet: Diese 35mm-Filmdosen, die man früher in jeder Drogerie kaufen konnte. Die Regel passt deshalb auch exakt für die sogenannten Vollformat-Digitalspiegelreflexkameras, weil ihr Bildsensor genau so groß ist. Viele Digitalkameras haben allerdings viel kleinere Bildsensoren – deshalb sollte man entweder noch den Verkleinerungsfaktor mit einrechnen (bei kleineren Sensoren verlängert sich die Daumenregel-Zeit), oder man rechnet gleich mit dem 35mm-Äquivalent, das ja bei vielen Kameras angegeben ist.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass es sich „nur“ um eine Faustregel handelt. Wer generell eine ruhige Hand hat, kann ja mal ausprobieren, um wieviele Dritteltacken er den Daumenregel-Wert verlängern kann, bzw. wer von Natur aus ein wenig zittert, der braucht möglicherweise noch kürzere Belichtungszeiten. Und situationsabhängig: Vielleicht gelingen einem in ruhiger, entspannter Atmosphäre noch Bilder mit im Vergleich zur Daumenregel recht langen Belichtungszeiten aus der Hand, während man in einer angespannten, nervösen Situation die Belichtungszeit vielleicht doch sicherheitshalber lieber noch weiter verkürzt.

Eventuell hilft ein Bildstabilisator, damit die Belichtungszeiten nicht zu kurz werden. Er setzt zwar nicht die Daumenregel außer Kraft, aber er beruhigt das Zittern des Bildes zumindest so, dass man die Belichtungszeit um einige Zeitstufen verlängern kann und immer noch nicht verwackelt.

Bildrauschen minimieren. Das kann ein weiteres Ziel sein. Wie stark oder wie schlimm sich das Bildrauschen jeweils bei welchen höheren ISO-Werten bemerkbar macht, hängt von der jeweiligen Kamera ab. Oft haben neuere Kameras beim gleichen ISO-Wert geringeres Bildrauschen als ältere, Spiegelreflexe geringeres Bildrauschen als Kompaktkameras, Kompaktkameras geringeres Bildrauschen als Handykameras. Wenn man also nicht gerade auf eine Kamera mit allgemein geringerem Bildrauschen wechseln kann, gilt es, einen möglichst niedrigen ISO-Wert auszuwählen.  Am besten mache man sich mit seiner eigenen Kamera vertraut, um in etwa abschätzen zu können, ab welchen ISO-Werten das Bildrauschen jeweils wie stark reinhaut. Andererseits gilt: Habe keine zu große Angst vor Bildrauschen, aber dazu kommt irgendwann nochmal ein eigener Artikel.

Schärfebereich groß oder klein halten. Ein spannendes Ziel, denn bildkompositorisch ist mal das eine, mal das andere sinnvoller. Wenn man per Autofokus oder manuell einen Punkt scharfstellt, dann ist ein mehr oder weniger großer Bereich „vor“ und „hinter“ dem Fokuspunkt ebenfalls noch scharf und geht dann langsam in Unschärfe über. Wie breit dieser Schärfebereich bei einer bestimmten Kamera ist, hängt von drei wesentlichen Faktoren ab: Brennweite, Blende und der Abstand zum Motiv:

  • Blende weiter schließen (abblenden) -> Schärfebereich wird größer
  • Mehr Tele (längere Brennweite) -> Schärfebereich wird kleiner
  • Mehr Abstand -> Schärfebereich wird größer
  • …und auch jeweils umgekehrt.

Weil es reine Physik ist, lässt sich der Schärfebereich sogar sehr genau berechnen – Tools, die das tun, heißen meistens DoF-Calculator, dabei steht DoF für Depth of Field, und sie können direkt auf Webseiten aufgerufen werden oder stehen als Smartphone-Apps zur Verfügung mit manchmal sogar sehr schön anschaulichen Darstellungen des Schärfebereichs. Es ist absolut zu empfehlen, mal so einen DoF-Rechner herzunehmen und ein wenig für seine Kamera und Objektive damit herumzurechnen, um einen groben Eindruck zu erhalten, in welchen Größenordnungen sich der Schärfebereich bewegen kann.

So weit, so gut. Bei schönem Wetter draußen ist das alles ja auch kein Problem. Höchstens wenn man mal absichtlich sehr lange belichten möchte, kann es vorkommen, dass man die Blende gar nicht so weit schließen kann, wie man es bräuchte, um nicht zu viel Licht in die Kamera zu kriegen. Dann bedient man sich am besten eines Graufilters – sozusagen eine Sonnenbrille für die Kamera.

Schwieriger wird es in Innenräumen mit viel Bewegung, zum Beispiel beim Hallensport, auf Bühnendarbietungen oder gar bei Partys. Man steht oft recht weit weg vom Geschehen und muss deshalb stark heranzoomen. Eine lange Brennweite bedeutet jedoch zu einen, dass eine kurze Belichtungszeit zum Verwacklungsvermeiden benötigt wird, zum anderen, dass der Schärfebereich schon recht klein wird. Jetzt müsste man eigentlich die Blende öffnen, um wegen der kurzen Zeiten viel Licht hereinzulassen, müsste sie aber gleichzeitig eher weiter schließen, damit der Schärfebereich nicht noch kleiner wird. Je nach Kamera kann man dann bis zu einem gewissen Grad noch durch einen höheren ISO-Wert kompensieren und handelt sich damit das ach-so-unerwünschte stärkere Bildrauschen ein. Wenn man unter extrem wenig Licht schließlich bei Offenblende und maximalem ISO-Wert angekommen ist, ist definitiv Schluss. Selbst die Kamera auf ein Stativ zu stellen, um bei längeren Belichtungszeiten nicht zu verwackeln, ist nicht optimal, weil schon bei Belichtungszeiten um die Sechzigstelsekunde Bewegungen je nach Intensität verwischen können. Vielleicht mag man das als Effekt. Vielleicht erwischt man Situationen, in denen die Leute still stehen oder man sie in Pose stellen kann. Vielleicht findet man noch andere Tricks – so manchen Kompromiss wird man schon mal eingehen müssen, manchmal sogar den, ob man sich konzentrieren und besonders gute Fotos machen möchte oder stattdessen lieber kräftig auf der Party mitfeiert.

Klar, man kann natürlich blitzen – und das ist wohl auch der meistgewählte Ausweg aus diesem Dillema. Mit dem Blitzen handelt man sich allerdings noch ganz andere Herausforderungen ein, dazu vielleicht mal in einem anderen Artikel mehr.

Danke an den Trunkenbold

Wenn sich der Hobbyfotograf als einsamer Wolf nachts durch pöbelnde Massen hindurchkäpft…

Nach dem Japanischen Feuerwerk in Düsseldorf konnte ich nahe des Stadttors von einem erhöhten Standpunkt aus einen regelrechten Massenexodus weg vom Rheinufer und heraus aus der Stadt beobachten. Das wäre ein tolles Fotomotiv gewesen, wären die nächtlichen Lichtverhältnisse besser gewesen. Ich hatte allerdings bewusst nur meine kleine LX3 dabei, um mich nicht zu sehr zu beschleppen.

Seit längerer Zeit wollte ich ohnehin mal ein Stadtbild machen, bei dem die nächtlichen Straßen zu Scheinwerferleuchtspuren werden (wie ich es in letzter Zeit öfters bei Trey Ratcliff gesehen habe) – und weil aufgrund der abziehenden Menschenmasse kräftig Verkehr auf der Straße war, probierte ich ein wenig herum, um per Langzeitbelichtung solche Bilder zu erreichen, und brauchte dabei recht lange für eine gute Perspektive, die auch vernünftig zu stabilisieren war.

Ich versuchte mich gerade an einer Langzeitbelichtung zum Stadttor hin, hatte die Kamera zwecks festem Stand auf der obersten Sprosse des Geländers austariert und bereits den Auslöser betätigt, als ich erschrak, weil plötzlich von links gleißend helles Licht (so nahm ich es wahr) kam und ich davon ausging, das mir das meine Bildkomposition ruinieren würde.

Ein Trunkenbold war an dem Trafohäuschen mit dem Schild „Zutritt für Unbefugte verboten“ entlanggelaufen und hatte über den Bewegungsmelder die Beleuchtung dort aktiviert.

Noch bevor meine vollen 50 Sekunden belichtet waren, ging das Licht wieder aus. Sicherheitshalber machte ich ein weiteres Bild, nocheinmal 50 Sekunden, diesmal ohne die Störung vom Trafohäuschen.

Und dann gefiel mir das Bild mit dem Licht doch besser. – Ein gleichmäßigerer Lichtverlauf und eine schönere Schattierung des Geländers, wenn es von zwei Seiten angeleuchtet wird. („Lichtzange“)

Das Bild reicht zwar sicherlich nicht an Trey Ratcliff und seine HDR-Bearbeitungen heran, aber ich bin nun immerhin jenem Trunkenbold dankbar, der da aus Versehen für das Licht gesorgt hat, das mein Bild mit tollem Zufall so aufgewertet hat.

Unverhofft kommt …unverhofft.